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"Es war einmal"… nein, so fangen Märchen an. Diese
Geschichte ist aber kein Märchen. Nein, wirklich kein Märchen. Ich habe sie
selber erlebt. Hier war ich ein echter „Beobachter".
Also, es war einmal ein kleiner Junge. Nennen wir ihn
Tom. Er lebte vor
etlichen Jahren in Zug. Das ist eine Stadt, die an einem schönen See gelegen
ist. Mitten in dieser Stadt steht ein sehr alter Brunnen. Der eckige Brunnentrog
ist mit roten Geranien geschmückt. Und oben auf dem grossen Brunnen befindet
sich eine mit Gold und leuchtenden Farben bemalte Figur. Man sagte, es sei der
alte Kolin. Deshalb heisst der Brunnen auch Kolinbrunnen. Viele Touristen und
Besucher werfen hier Münzen ins Wasser, in der Meinung, dass sie ihnen dann
Glück bringen würden.
Toms Vater hatte hier am Brunnenplatz einen Verkaufsladen und der kleine
Junge war oft bei seinem Vater hinter dem Ladentisch. Ja, damals gab es noch
sehr viele kleine Geschäfte, in denen man einkaufte. Heute kaufen wir oft nur
noch in grossen Einkaufszentren ein.
Tom spielte oft in den Strassen der Altstadt und natürlich auch am
grossen Brunnen vor dem Laden seines Vaters. Der Brunnen war ein ganz
besonderer Anziehungspunkt für Tom. Er musste sich ordentlich anstrengen
und sich auf die Zehenspitzen stellen, um über den Brunnenrand zu
schauen. Wenn er dann durch das helle, klare Wasser blickte, so sah er die
vielen grossen, glänzenden Münzen auf dem Grunde liegen. Sehnsüchtig blickte
Tom immer wieder ins Wasser und sprach zum alten Kolin:
„Die vielen Batzen kann ich brauchen,
und morgen hole ich mir diesen Schatz."
Dann lief er nach Hause und baute sich einen speziellen Kran. Einen Kran mit
einer kleinen Schaufel und einem langen Arm.
Als ich ihn beobachtete, stand er oben auf dem Brunnenrand. In
der rechten Hand seinen Kran. Mit der linken Hand hielt er sich an den
Wasserröhren fest. Kein Passant konnte ihn hier stören. Er hörte und sah nichts
mehr. Auch das mit lautem Martinshorn vorbei fahrende Polizeiauto bemerkte er
nicht. So vertieft war er in seine Arbeit. Immer
wieder ließ er die Schaufeln ins Wasser herab
tauchen. Ließ sie ganz langsam über den Boden schleifen und holte sich so die
glänzenden Münzen nach oben. Geschickt und schnell steckte er eine nach der
anderen in die Hosentasche. Ganz nass, aber glücklich und zufrieden sprang er
dann wieder auf den Bürgersteig zurück. Der alte Kolin, oben auf dem Brunnen,
lachte heimlich. Er sah zu und hörte wie der Bub die Münzen zählte und zu sich
selber sprach:
"Mein Lohn nur ein Franken zehn!
Im Brunnen war das Geld so gross,
in meiner Hand sind’s Rappen bloss,
dies kann ich einfach nicht verstehen."
Die Brunnenfigur, der alte Bannherr, der den kleinen Bub ja schon gut kannte,
beugte sich ein wenig zu ihm hinunter und flüsterte:
"Tom, glaube mir, der Schein trügt oft. Mein klares Wasser wirkt wie
eine Lupe, wie ein Vergrösserungsglas. Deshalb hast du grosse Münzen gesehen und
jetzt bist du enttäuscht, weil du nur kleine Münzen in der Hand hast. Aber
kleine Dinge sind oft viel Wert. Geld und Münzen brauchen wir zwar zum Leben.
Doch es gibt etwas, was wir noch viel mehr benötigen. Das ist Liebe."
In der nächsten Nacht, als Tom schon einige Stunden geschlafen hatte,
erwachte er plötzlich. Der Mond schaute durch sein Fenster. Er leuchtet hell,
wie ein grosses Geldstück und direkt auf Toms Bettchen. Zuerst erschrak der
Kleine, aber dann stand auch schon die Traumfee im seinem Zimmer und sprach ganz
leise mit Tom. „Tom, schau dir den Mond an. Er ist so gross und hell,
wie ein wunderschöner Ball. Ganz aus Gold. Auch wenn er dir noch so gut gefällt,
kannst du ihn nie und nimmer haben. Du darfst dich aber freuen, wenn er die
dunkle Nacht hell erleuchtet. Das ist ein Geschenk. Das ist Liebe." Bei diesen
Worten schlief Tom wieder ein. Gute Nacht kleiner Tom und jetzt
schlafe auch du.
Link zum Gedicht:
Am Kolinbrunnen
Geocache:
www.geocaching.com/geocache/GC7HP79_kolinbrunnen
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