Am Kolinbrunnen
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Der Zytturm
Die Vorstadtkatastrphe von 1887
Im Süsswinkel
 

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Am Kolinbrunnen

Es glänzen Münzen im Wasser so hell
ein Bub huscht um den Brunnen schnell.
Zum Bannherr blickend er spricht:
      "Morgen hol ich diesen Schatz!"
      Flink läuft er über den Kolinplatz.
      Am nächsten Tag steht mit Zuversicht
      der Knabe wieder am Brunnenrand
      mit einem kleinen Bagger in der Hand.

Er klettert auf den eckigen Trog
und führt einen leisen Monolog:
"Die vielen Batzen kann ich brauchen!"
      Kein Passant kann ihn jetzt stören.
      Fest hebt er sich an Wasserröhren.
      Schon die Schaufeln ins Tiefe tauchen,
      langsam über den Boden sie schleifen,
      geschickt dann nach den Münzen greifen.

Der alte Kolin oben heimlich lacht
wie’s Bübli zählt mit Bedacht:
"Mein Lohn nur ein Franken zehn!"
      Im Brunnen war das Geld so gross.
      In seiner Hand sind’s Rappen bloss,
      dies kann er einfach nicht verstehen.
      Wie oft trügt doch der helle Schein,
      was einmal gross, ist nachher klein.

                                 

Der Kolinbrunnen in Zug

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 Wie oft trügt doch der helle Schein,
 was einmal gross, ist nachher klein.

So ist es auch mit vielen Dingen, Wünschen, Ängsten oder Vorstellungen … sie erscheinen uns immer gross oder begehrenswert… aber oft sind sie, wenn wir den Zustand erreicht haben, nicht das, was wir uns in der Fantasie vorgestellt haben.


Der Zytturm   

Aus alter Zeit Befestigungstürme
überdauerten heftige Stürme.
Stolz ragt blauweiss ein Dach empor,
der Zytturm, mit spitzbogigem Tor.

In diesem Tore kann man lesen,
wer Herr der Kolinstadt gewesen.
Um 1200 erbaut, der Eingang dort
würdiger Zugang zum alten Ort.

Der Dachreiter! Ein Stundenschlag -
übertönt vom Stadtlärm heutzutag.
Die Uhr, dem Turm den Namen lieh,
es läuft die Zeit vergiss es nie!

Die zweite kündet Kalenderzeit,
als Turmuhr eine Besonderheit.
Der Zeitmesser viel zu sagen hat

mit astronomischem Ziffernblatt.

Zeigt Wochentag, auch Monat
pünktlich, genau und akkurat.
Mond und Schaltjahr gibt sie an,
vier goldene Zeiger kreisen dann.

Vom Wachstübli rote Geranien nicken,
den glänzenden Mond wir erblicken,
die dunkle Hälfte, Neumond erscheint,
Windbläser rechts und links zur Seit.

Aus feuchten Kellerschächten,
die Rattenplage in den Nächten.
Nur eine blieb zu unserem Glück
am Zytturm noch zurück.

Fegte launisch Föhn übers Land,
lag Leben und Gut in Wächters Hand,
Hornstösse kündeten Brandgefahr,
gross war dann die Helferschar.

Komm, wir wollen ihn besteigen!
Möcht’ ihn dir von innen zeigen,
denn er ist ein Wahrzeichen und
mit keinem anderen zu vergleichen.

Die Turmtüre sich im Angel dreht,
kühle, muffige Luft entgegen weht.
Das alte Holz durchbohrt vom Wurm,
so steig bedächtig in den Turm.

Vorbei an Feuerhorn und Leiter
zum Uhrwerk hinauf und weiter.
Schmale Scharte, trüber Schein,
im "Timpis"
* wird es finster sein.

Arme Sünder, Störenfriede.
Unholde und infame Diebe,
dunkles enges Kerkerloch,
unschuldiger Seele schweres Joch.

Sonnig, warm die Dachstube ist,
knarrend die Falltüre schliesst.
Prächtiger Blick über Stadt und Land,
doch der "Schwarze Schuhmacher "
                ….  schaut von der Wand.

                         In Hornung Anno 1989   C.Wild

Aus dem Zuger Neujahrsblatt 1955

 Seite 50: Ein Gefängnis, "Timpis" genannt, sollte ....

 Seite 52: Der Erwägung wert ist gewiß auch der originelle Vorschlag Linus Birchlers, in dem einen  "Timpis", in dem der Schwarze Schumacher 1735 gefangensaß, ein kleines Schumachermuseum einzurichten. Dort nämlich hat ja der einst in Zug alles beherrschende Diktator in der Nacht vor seiner Verurteilung zwei lateinische Distichen verfaßt, die zwar in metrischer Hinsicht nicht vollkommen, aber doch der Ausdruck einer tiefen Tragik sind:

"Ich, der ich einst an
Zugs Gestaden Diktator war,
falle als Opfer durch die wortlose List
der Gallier [Franzosen].

Durch mein Beispiel beweise ich,
daß das Volk eine böse Bestie ist,
die auch den höchstgestellten Männern
den Hals nicht höher wachsen läßt."

http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D26796.php
 


Die Vorstadtkatastrophe
 5.Juli 1887


Über 100 Jahre sind vergangen,
als am See, in Kolinsstadt,
Trauriges sich ereignet hat.

Eifrige, fleißige Arbeiterschar 
Holzpfähle sie rammen am Ufer.
Gewiss gibt's auch nein Rufer!

Neu wird gebaut die Quaimauer!
Doch am See, in manchem Haus
unheimliche Risse, welch ein Graus!

Denken die Bewohner mit Schauer
an das Altstadt Unglück
des Jahres 1435 jetzt zurück? 

Denn in stürmischen Nächten singt,
am Ufer,  grauenvoll der Wind,
schaukelt  er ein Waisenkind? 

In viele Keller Wasser dringt,
Türen und Fenster klemmen arg.
Unruhe,  Angst man noch verbarg.

Plötzlich Rondell und Mauer reissen, 
alles ins trübe Wasser sich senkt.
Panik Arbeiter und Fischer umfängt.

Fischer Speck die Seetiefe will messen,
kann keinen Grund mehr finden,
schon sieht es seine Hütte schwinden.

Der mächtige brodelte Strudel
zieht Fischerknecht und Wäscherin,
ins tiefe, tobende Wasser hin.

Der Fischer das Ruder umklammert,
von Dunkelheit und Schlamm umgeben,
kämpft verzweifelt um sein Leben.

Sekunden vergehen, dann wird's  hell,
in den See getrieben mit rasender Wucht,
einen Balken zu ergreifen er versucht.

Geborgen wird Speck von der Platzwehr her,
doch Hubers drei Kinder ertrinken,
als die ersten Häuser versinken.

"Flieht, flieht! Die Stadt versinkt."
In der Vorstadt Rufe, wirre Schreie,
Frauen und Kinder fliehen ins Freie.

Reihen von Häusern verschwinden
mit furchtbaren toben und Krachen,
wie in einem Raubtierrachen.

Schrill die Ztyturmglocken läuten,
noch begreift man nicht was geschah,
warum See und Ufer in Bewegung war.

Das Unglück elf Menschenleben forderte,
eine gewaltige Katastrophe, ungeahnt,
der Gedenkstein heut zur Vorsicht mahnt.

C. Wild


Im Süsswinkel
Zum Wandbild "Im Süsswinkel" von Christian Bisig

Kennst du das hübsche Trachtenpaar?
Es ziert ein altes Haus der Stadt
und sitzt beisammen, unzertrennbar,
weil's sich liebend gerne hat.

Im Süsswinkel entdeckt ich es,
bei melodischem Flötenspiel
lauscht und schmiegt sie sich kess
an ihn, anmutig, sehr grazil.

Da sitzen die Zwei in ihrer Tracht,
ganz nach altem Zuger Brauch,
er spielt für sie bis Mitternacht,
im Sommer und im Winter auch.

Ein nicht alltägliches Liebespaar
mit frischen roten Wangen;
zum Zopf geflochten das lange Haar,
so sind beide im Winkel gefangen.

Ein Bub der hier nicht stören will,
in enger Gasse sich versteckt.
mit seiner Bretzel wartet er still,
nur Tauben fliegen aufgeschreckt.

Im Winkel duftet's süss und fein,
nach Kuchen, Zöpfen, Kirschtorten,
von der Konditorei muss das sein,
sie führt die besten Sorten.

C. Wild

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