Vier Wochen Südengland - da
gibt es natürlich eine ganze Menge schöner Bilder. Hier die
Kreidekliffs,
die Sanddünen, das Dartmoor, die Swannery bei Abbotsbury,
alte Fischerhäfen wie Polperro, Clovelly, Newquay, St. Ives und Penzance.
Ein Foto übertrifft das andere.
Malerische Dörfer, mit Riedgras gedeckte Herrschaftshäuser
wechseln mit exotisch blühenden Bäumen und Sträuchern ab. Auf der
Leinwand erscheinen Windmühlenfelder, Zinnbauruinen, weiße Bade- und
Surfingstrände, Klippen, Steilküsten und alte rostige Pullman
Eisenbahnwagen mit der Jahreszahl 1920. Namen fallen wie Cornwall's Coast
Paht, The old Harbour Weymouth, Tintagel - König Arthurs Land, Port
Isaac, Corfe Castel und Michael's Mount.
Mit Begeisterung bedient Kony den Projektor. Altmodisch denke ich, heute
sind doch Videoaufzeichnungen in.
Aber Kony ist von seiner Englandreise total begeistert, was mich
befremdet.
"Du hast mir doch schon viel von Reisen aus der ganzen Welt berichtet, von den
Sonnenuntergängen
in der Tenere, vom Jemen, von den eisigen Nächten
im
hohen Norden bei den Inuit, von der Alaska Highway und von den enormen
Schwierigkeiten zum Mittelpunkt der Welt. Noch höre ich deinen
Schilderungen von den höchsten Gipfeln der Erde und den Abstiegen in
Schnee und Eishöhlen. Wie nur kann dich diese Englandtour so
begeistern?"
"Ich will es dir verraten. Südengland habe ich erlebt, erlebt! Ich
habe im Atlantik gebadet, die Wärme des Golfstromes auf der Haut gespürt
und den ständigen Wind im Haar, große Städte und Museen besucht.
Es war
wunderbar."
"Und die vielen anderen Reisen, hast du sie denn nicht genauso
erlebt?"
"Oh, Sorry - anders, ganz anders! Die habe ich auf dem Kanapee
erlebt, in eine Wolldecke eingewickelt beim gemütlichem knistern im
Cheminée. Reiseberichte! Bücher, viel Bücher, interessante
Bücher - verstehst du!"
My house is my castle. Splendid isolation - und doch die Welt kennen.

Farbenwunder
Eine Auswahl von farbenfrohen
Kieselsteine aus der
Chesil Beach bei Weymuth in Südengland. Die durch die
Wellenbewegung glatt geschliffenen Steine offenbaren
im nassen Zustand ein wahres Farbenwunder.
Für die Aufnahme habe ich sie mit etwa 5cm Wasser
überdeckt. Durch die Benetzung können die
Sonnenstrahlen ungehindert in die Oberfläche
eindringen und lassen die Steine wie poliert erscheinen. |
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Horror -Trip
Während der Zug die
Bündner Herrschaft im Eiltempo durchfährt, liest Viola rein zufällig
eine Prosaerzählung: "Die Verwandlung". Hier wird von der
menschlichen Ohnmacht und Ratlosigkeit gegenüber einem bösartigen
Schicksal berichtet. Etwas Ungeheuerliches geschieht einem
Handelsreisenden, namens Gregor. Er erwacht eines Morgens in seinem Bett
und findet sich in ein riesiges Insekt verwandelt.
In diese spannende Erzählung vertieft, drosselt der Zug im Bahnhof Landquart
seine schnelle Fahrt. Erst jetzt nimmt Viola wahr, dass sich auf
dem Platz ihr vis-à-vis ein hochdeutsch sprechendes Ehepaar
niedergelassen hat. Touristen. Laut kommentieren sie die Bergwelt.
Lesen ist nicht mehr möglich. Viola schaut in die Landschaft, die wie
eine Videoschau das Fenster passiert. Für einen kurzen Moment gewahren
ihre Augen die Rebberge um Maienfeld und Jenins. Die Weinstöcke stehen im
vollen Grün; aber es wird noch viel Sonne scheinen müssen, bis gute Öchsle
Werte erreicht sind. Bündner Wein ist eine Besonderheit. Schnell
ist dieses Bild vom nächsten überblendet. Wie ein Windsturm fegt die
Rhätische Bahn vorbei an den grasenden Kühen, vorüber an den Bildern am
Rand dieser Strecke. Im Abteil des Zuges allerdings spürt man die rasende
Geschwindigkeit weniger, es ist ein gleichmäßiges, eintöniges Rollen.
Bis...
...bis Viola plötzlich aus ihren Gedanken gerissen wird. Mit einem
Aufschrei fast hysterisch zeigt ihr Gegenüber, mit langen rot lackierten
Fingernägeln auf einen kleinen giftgrünen, metallisch glänzenden Käfer
der friedlich auf ihrem nackten Arm spaziert. Hilflos, wie gelähmt starrt
auch ihr Gatte auf das Tierchen und seine "Hamburger Zeitung"
gleitet ihm aus der Hand. Schnell befreit Viola die Dame von dem Untier
und stellt dann ihren Korb, dessen Inhalt sie mit einem Küchentuch
gedeckt hatte, auf die Gepäckablage. Jetzt entdeckt Viola weitere Käfer,
die daran sind im Abteil Unruhe zu stiften. Einer krabbelt suchend auf dem
hellgrünen Abonnement eines Mitreisenden, das er vermutlich für ein
Blütenblatt hält. Ein anderer fliegt ständig gegen die Fensterscheibe,
um dann rücklings auf dem Ablagebrett zu landen. Alle sechs Beinchen
zappeln einige Zeit in der Luft, bis sich das Tier wieder in die
richtige Lage bringt und einen neuen Anflug startet. Im schräg
gegenüberliegendem Abteil sind Käfer ebenfalls das Gesprächsthema
Nummer eins. Bei einem Bub hat der Anblick der Biester einen Juckreiz
ausgelöst. Nervös kratzt er sich überall. Ein anderer Fahrgast fischt
in seinem Coca-Becher, währen dem zwei weitere Plagegeister
wettkampfmäßig an seinem Hosenbein empor kriechen. Abwechslungsweise
schielt Viola vom Coca-Becher zum Hosenbein das als Kletterstange benutzt
wird.
"Woher kommt diese Invasion der kleinen grünen Ungeheuer? Ist es
etwa eine neue Dienstleistung der SBB?" So fragt spöttisch ein
entrüsteter Passagier. Die Kondukteurin ist dieser Situation nicht
gewachsen. Mit verlegener Miene erwidert sie:
"Was schauen si mi so bedeppert a" und verschwindet
schnell im nächsten Abteil. Ekel? Oder scheut sie die Auseinandersetzung
mit explosiven Reisenden?
Diese Szene erinnert an die <versteckte Kamera>. Heimlich amüsiert,
vertieft sich Viola in ihr Buch. Auch hier krabbelt ein Käfer
<Gregor>, das allerdings wissen die Mitfahrenden nicht; doch
Verhalten und Ekelreaktionen sind in beiden Fällen gleich. Den Angriff
eines einzelnen Ungetüms kann man noch bewältigen. Hier scheint ein
ganzes Heer im Anmarsch zu sein. Abstoßend, empörend, schauderhaft,
degoutant, grässlich usw. sind Attribute die im Abteil zu vernehmen sind.
Die Stimmung gleicht immer mehr der Wetterlage draußen. In Chur brannte
noch drückend die Sonne. Jetzt verdecken schwarze Wolken die
Churfürsten. Der Walensee ist tief dunkelblau und weiße Schaumkronen
werden vom Sturm über den See gejagt. Der Zug fegt durch diese bedrohlich
aussehende Landschaft. Schwere dunkle Gewitterwolken - auch im
Nichtraucherabteil zweiter Klasse!
Marco der Erstklässler, im schräg gegenüberliegendem Abteil, hat sich
längst an die unangenehmen Zugsbegleiter gewöhnt. Für ihn ist es nun
ein interessantes Spiel immer neue Käfer zu entdecken, er kichert vor
Vergnügen und imitiert die Erwachsenen. Spitzbübisch schaut er unter
seiner Sitzbank hervor: "Fünf Biester, ich habe das Nest!" Da,
der Arm der Mutter, die ihn sogleich wieder auf seinen Platz zerrt. Sie
hält ihn an der Hand fest, wie einen jungen Hund an seiner Leine.
Geschüttelt von Lachanfällen versucht Marco erneut auf allen Vieren ab zu schleichen.
Die vornehme deutsche Touristin fällt in einen Dämmerzustand und bemerkt
weitere Käferattacken nicht mehr. Doch ist es erstaunlich wie Reisende,
die gerade noch reserviert in ihrer Zeitung lasen, schliefen oder zum
Fenster hinaus träumten, plötzlich miteinander diskutieren, schimpfen
und lamentieren. Die drohende Gefahr, das Ärgernis oder das gemeinsame
Erlebnis verbindet.
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Ein junger Mann mit einer roten Hahnenkammfrisur und einem poppig
bedruckten T-Shirt, entpuppt sich als ein "Grüner", ein Naturfreund. Will
dieser Typ provozieren? Mit Darlegungen, die jedoch ein gewisses Interesse
an Insekten verraten, beteiligt er sich an dem Palaver: "Käfer sind
faszinierend und Schädlinge gibt es sowieso keine. Eine unberechtigte
Abneigung gegen alles Andersartige, Fremde und gegen Minderheiten herrscht
heute vor. Ich werde wegen meiner Frisur auch oft als exotisch
verschrien." Diese Bemerkung löst ein allgemeines Gelächter aus.
Aber selbstsicher redet er weiter. "Dieser Grünrüßler gehört zur
Familie der Rüsselkäfer. Gemeinsames Kennzeichen dieser Gattung ist der
in eine lange Schnauze ausgezogener Kopf. Die lateinische Bezeichnung ist
Curculionidae." Diese Erklärungen machen den Hahnenkammträger
sympathischer als seine äußere Erscheinung, hier besteht offenbar eine
krasse Diskrepanz zwischen <Sein und Schein>. Die Diskussion wird
immer heftiger. Sie nimmt nun religiös - philosophische Formen an.
"Insekten sind auch Lebewesen. Man dürfe sie nicht töten." Er
ein Verfechter der Ahimsa Lehre habe große Achtung vor jedem Leben. Dies
sei ein allgemein bekannter Aspekt des Hinduismus. Es gäbe gewisse Inder
die ein Mundtuch tragen, um nicht aus versehen ein Insekt zu verschlucken,
das dabei getötet würde.
Ein noch rüstiger Rentner, mit sonnengebräunter aber faltiger Haut, der
auffallend dem Almöhi aus dem <Heidi> Film gleicht, äußert sich
nun fast väterlich. Bis anhin war er nur Zuhörer, jetzt nickt er dem
Hahnenkammträger mit einem komplizenhaften Augenzwinkern freundlich, ja
verständnisvoll zu. "Ja, in meiner Bubenzeit gingen wir noch mit
Maikäfern im Hosensack in die Schule. Wir treiben mit den großen,
kastanienbraunen Käfern allerhand Unfug, Lausbubenstreiche. Alle Jahre
war das so. Die Lehrer waren daran gewöhnt. Heute sind diese Käfer so
selten, dass mein Enkel sie nicht einmal kennt." Und nach einer
kurzen Pause fügt er hinzu: "Ja, ja diese grünen Viecher hier sind
doch viel kleiner als Maikäfer, da lohnt sich so ein Spektakel gewiss nicht. Sie stechen nicht, beißen nicht und zwicken auch niemanden, noch
verbreiten sie einen unangenehmen Geruch." Der Hahnenkammträger
grinst zurück, sichtbar froh einen Sinnesgenossen zu haben, dann gilt
seine Aufmerksamkeit wieder seinem Walkman. Almöhi und Hahnenkammträger -
hier besteht kein Generationsproblem!
Viola spürt plötzlich Almöhi's Blick auf sich gerichtet. Interessiere
ich ihn als Frau oder kann er Gedanken lesen, so fragt sich Viola. Ihre
Gedanken fangen an im Takt der Räder zu kreisen, krabbeln, kreisen,
krabbeln. In ihrer Phantasie ist auch sie in einen Käfer verwandelt
worden, natürlich in menschlicher Größe. Unbeholfen sitzt sie auf ihrem
Platz, man kann ihre gepanzerte Unterseite sehen. Die dünnen, drahtigen
Beine fuchteln ungeschickt um sie herum. Ihre großen schwarzen
Facettenaugen betrachten die anderen Reisenden und zufolge der inneren
Unruhe bewegen sich die borstenförmigen Fühler aufgeregt hin und her. Ängstlich
bedrängt schaut sie sich im Abteil um, in ihrer Hoffnung das weitere
Leidensgenossen auftauchen könnten. Unauffällig möchte sie in die
Freiheit. Es herrscht ein Chaos in ihrem Kopf. Diese Gedanken lassen sie
erschauern. Fort mit dem Spuk!
Zielstrebig gleitet der Zug am oberen Zürichseeufer entlang. Draußen
tobt immer noch der heftige Gewittersturm und die Regenmassen klatschen
mit Wucht an die Fensterscheiben. Der Fahrwind verstärkt die Wirkung.
Bereits ist es dunkel. Blitze leuchten und zucken über dem See. Die vornehme
Dame ist wieder erwacht und hüllt sich in ihr weißes Häkeljäckchen.
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Station Thalwil. Im Fenster spiegelt sich das Geschehen des
gegenüberliegenden Abteils. Dort werden einige Viecher unsanft am Baden
zertreten. Viola wird die ganze Angelegenheit immer unangenehmer, denn sie
ist der Sündenbock. Sie selbst hat die große Aufregung verursacht.
Krabbelten doch all diese Plagegeister aus ihrem Korb, den sie auf die
Ablage gestellt hatte. Ja, mit den frisch gepflückten Lindenblüten waren
sie zu dieser Horror Fahrt gekommen.
Als Viola am Morgen, beim Pflücken der herrlich duftenden Blüten die
ersten dieser kleinen , hart gepanzerten Lebewesen begegnete, meinte ihre
Freundin Bea: "Harmlose Käfer. Du musst dich nicht um sie kümmern.
Sie kriechen beim Trocknen alle wieder aus dem Korb, um sich ihren Weg in
die Freiheit zu suchen." So war es denn auch, ein wahres Käferfest!
Zürich Hauptbahnhof - endlich die Erlösung! Befreit und sichtlich
erleichtert steigen die zufällig zusammen gewürfelten Fahrgäste aus.
Sie verlassen die Enge des Zuges und laufen in alle Richtungen,
vergleichbar mit den Käfern die aus der Enge des Korbes flohen. Ein paar
kleine Grünrüßler waren für die einen eine lustige, für die anderen
eine abstoßende Begegnung.
Sorgfältiger als üblich bürstete Viola an diesem Abend ihr Haar. Erst
nach dem Duschen fühlte sie sich wieder richtig wohl. Vorher glaubte sie
noch am ganzen Körper ein Kribbeln zu verspüren. Zuviel Käfer waren ihr
heute begegnet - oder über den Weg gelaufen. Der Verfasser der
Prosaerzählung <Die Verwandlung> wird von diesem Horror - Trip nie
etwas erfahren.
Du
hast richtig gelesen, unser Küchenfenster ist unser Fernseher. Was man
da alles während dem Mittagessen beobachten kann ist wirklich
erstaunlich. Natursendungen sind immer auf dem Programm. Natürlich kann
man auch den Gartenweg der Nachbaren und den Pöstler ins Visier nehmen.
Doch die Natur so nahe zu haben, ist ein Geschenk. Der kleine Platz vor
unserem Küchenfenster ist kein gepflegter Rasen, nein eine richtige
Naturwiese, die nur zweimal jährlich abgemäht wird. So können die
Pflanzen ihre Samen voll ausreifen lassen und das kleine Stück Erde wird
zu einem Paradies für verschiedene Schmetterlinge, Vögel, Hummeln und
Bienen.

Früh
im Jahr, im Februar zeigen sich die kleinen gelben Winterlinge und
locken bei Sonnenschein schon einige Bienen an. Auch wenn noch mal die
weiße Pracht, der Schnee alles zudeckt, schauen die gelben Kronblätter,
wie kleine Sterne durchs Küchenfenster. Dann im März fängt das Gras an
zu wachsen, auch die Schneeglöckchen, die Krokusse und Märzenbecher
zeigen ihre Schönheit. Doch der Höhepunkt sind die wilden Osterglocken,
auch Märzenglocken genannt. Diese haben eine ganz besondere Herkunft. Es
sind Erbstücke aus dem Hasenbühlquartier in Zug. Ich habe ihnen einen
neuen Namen gegeben: Kleine Uttingerli.
Wer
mal in Zug wohnte, der kannte Pirmin Uttinger. Er war ein stadtbekanntes
Original.
Der folgende Text ist aus einer Webseite entnommen: https://www.itae-design.ch/?id=4 (
Aus der Zugerpresse von Andreas Bossard, Stadtrat)
"Pirmin Uttinger liebte die Tiere, die Pflanzen und die herrliche
Landschaft. Er bezeichnete sich als Bauer, der seiner Scholle treu
blieb. Auch war er stolz auf seine Märzenglocken. Pirmin war sich
bewusst, mit Jauche und Dünger würden diese Frühlingsboten nicht mehr
wachsen. Für ihn waren deshalb die Blumen wichtiger als ein größerer
Ertrag. Jährlich im Frühjahr beglückte er jene, die ihm wohl gesinnt
waren mit einem Strauss seiner Blumen."
Die Deutschen waren nicht gerade Pirmins Freunde, und so gehörte ich
nicht zu denen die auch Märzenglocken bekamen. Kurz bevor dann die
Wiesen von Pirmin Uttinger überbaut wurden, konnte ich noch einige
Blumenzwiebeln retten. Ich war nicht die einzige die hier Naturschutz
praktizierte. So konnte ich die Pflanzen im eigenen Garten vermehren und
auch viele Samen weiter verschenken.

Kürzlich beobachteten wir einen Stieglitz. Mit seinem wunderschönen
farbigen Federkleid landete er direkt auf einigen Blütenstielen von
einer Hahnenfuss Pflanze um von dort aus die schon reifen Samen des
Löwenzahns zu picken. Es ist erstaunlich, wie er mehrere dünne Stängel
umklammerte, um so seinen kleinen Körper in die richtige Stellung zu
bringen. Die Löwenzahn-Schirmchen verschwanden in kurzer Zeit und dann
auch der Stieglitz. Er war satt und konnte wieder am Nest, in der nahen
Hecke weiter bauen. Leider fand ich Tage später einige Jungvögel tot in
den Gartenbeeten. Die Kälte und der viele Regen verunmöglichten die
Brutpflege.
Auch andere Besucher zeigen sich regelmäßig vor unserem Küchenfenster.
Da gibt es ein Rotkehlchenpaar und einige Amseln, die ständig nach
Regenwürmern ausschauhalten. Aber auch die vielen Spatzen sind oft beim
Komposteimer zu Gast. Sie haben ihre Schlafplätze direkt unter dem
Hausdach um sich als Wecker nützlich zu machen. Auch ein
Gartenrotschwanz - Pärchen gehört zu den Gästen die uns erfreuen.

Und
wenn keine Vögel zu Besuch kommen, kann es auch mal eine Spitzmaus sein,
die in aller Eile unter der Regentonne verschwindet. Im Winter erkennt
man dann die Spuren der kleinen Nager im Neuschnee.
Und
im Sommer blühen neben dem Weinstock, der hier am Pfosten hochgezogen
ist, schon seit einigen Jahren dunkelrote Löwenmaulblumen. Sie lieben
die kleinen Spalten zwischen den Gartenplatten und der Wiese, dort
gedeihen sie prächtig. Wenn dann die Sonne ihren höchsten Stand erreicht
hat, kann ich den Hummeln zuschauen, wie sie geschickt in den Blüten
verschwinden um sich am Nektar zu bedienen. Im Herbst dann erfreuen uns
noch lange einige Tagetes die ich auf den wenigen Quadrat Zentimetern
Erde ausgesät hatte.
Selbst bei Gewitterregen oder starkem Hagel kann man zuschauen und
dankbar sein, wenn nicht alles kurz und klein geschlagen wird, was zum
Glück nicht oft der Fall ist.
So ist fast bei jedem Mittagessen ein anderes Naturschauspiel im
Küchenfenster TV Programm. Sehr dankbar bin ich Gott dafür, dass ich
hier am Küchentisch nicht alleine sitze.
Mai 2021
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