Prosa - Texte

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Der Diaabend                20.2.2013
Vier Wochen Südengland - da gibt es natürlich eine ganze Menge schöner Bilder. Hier die Kreidekliffs, die Sanddünen, das Dartmoor, die Swannery bei Abbotsbury, alte Fischerhäfen wie Polperro, Clovelly, Newquay, St. Ives und Penzance. Ein Foto übertrifft das andere.  Malerische Dörfer, mit Riedgras gedeckte Herrschaftshäuser wechseln mit exotisch blühenden Bäumen und Sträuchern ab. Auf der Leinwand erscheinen Windmühlenfelder, Zinnbauruinen, weiße Bade- und Surfingstrände, Klippen, Steilküsten und alte rostige Pullman Eisenbahnwagen mit der Jahreszahl 1920. Namen fallen wie Cornwall's Coast Paht, The old Harbour Weymouth, Tintagel - König Arthurs Land, Port Isaac, Corfe Castel und Michael's Mount.

Mit Begeisterung bedient Kony den Projektor. Altmodisch denke ich, heute sind doch Videoaufzeichnungen in.  Aber Kony ist von seiner Englandreise total begeistert, was mich befremdet.
"Du hast mir doch schon viel von Reisen aus der ganzen Welt berichtet, von den Sonnenuntergängen in der Tenere, vom Jemen, von den eisigen Nächten im hohen Norden bei den Inuit, von der Alaska Highway und von den enormen Schwierigkeiten zum Mittelpunkt der Welt. Noch höre ich deinen Schilderungen von den höchsten Gipfeln der Erde und den Abstiegen in Schnee und Eishöhlen. Wie nur kann dich diese Englandtour so begeistern?" 
"Ich will es dir verraten. Südengland habe ich erlebt, erlebt! Ich habe im Atlantik gebadet, die Wärme des Golfstromes auf der Haut gespürt und den ständigen Wind im Haar, große Städte und Museen besucht. Es war wunderbar."

"Und die vielen anderen Reisen, hast du sie denn nicht genauso erlebt?"
"Oh, Sorry  - anders, ganz anders! Die habe ich auf dem Kanapee erlebt, in eine Wolldecke eingewickelt beim gemütlichem knistern im Cheminée. Reiseberichte!  Bücher, viel Bücher, interessante Bücher - verstehst du!"
My house is my castle. Splendid isolation - und doch die Welt kennen.


Farbenwunder
Eine Auswahl von farbenfrohen Kieselsteine aus der
Chesil Beach bei Weymuth in Südengland. Die durch die
Wellenbewegung glatt geschliffenen Steine offenbaren
im nassen Zustand ein wahres Farbenwunder.
Für die Aufnahme habe ich sie mit etwa 5cm Wasser
überdeckt. Durch die Benetzung können die
Sonnenstrahlen ungehindert in die Oberfläche
eindringen und lassen die Steine wie poliert erscheinen.

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Horror -Trip

Während der Zug die Bündner Herrschaft im Eiltempo durchfährt, liest Viola rein zufällig eine Prosaerzählung: "Die Verwandlung". Hier wird von der menschlichen Ohnmacht und Ratlosigkeit gegenüber einem bösartigen Schicksal berichtet. Etwas Ungeheuerliches geschieht einem Handelsreisenden, namens Gregor. Er erwacht eines Morgens in seinem Bett und findet sich in ein riesiges Insekt verwandelt.

In diese spannende Erzählung vertieft, drosselt der Zug im Bahnhof Landquart seine schnelle Fahrt. Erst jetzt nimmt Viola wahr, dass sich auf dem Platz ihr vis-à-vis ein hochdeutsch sprechendes Ehepaar niedergelassen hat. Touristen. Laut kommentieren sie die Bergwelt. Lesen ist nicht mehr möglich. Viola schaut in die Landschaft, die wie eine Videoschau das Fenster passiert. Für einen kurzen Moment gewahren ihre Augen die Rebberge um Maienfeld und Jenins. Die Weinstöcke stehen im vollen Grün; aber es wird noch viel Sonne scheinen müssen, bis gute Öchsle Werte erreicht sind. Bündner Wein ist eine Besonderheit. Schnell ist dieses Bild vom nächsten überblendet. Wie ein Windsturm fegt die Rhätische Bahn vorbei an den grasenden Kühen, vorüber an den Bildern am Rand dieser Strecke. Im Abteil des Zuges allerdings spürt man die rasende Geschwindigkeit weniger, es ist ein gleichmäßiges, eintöniges Rollen. Bis...

...bis Viola plötzlich aus ihren Gedanken gerissen wird. Mit einem Aufschrei fast hysterisch zeigt ihr Gegenüber, mit langen rot lackierten Fingernägeln auf einen kleinen giftgrünen, metallisch glänzenden Käfer der friedlich auf ihrem nackten Arm spaziert. Hilflos, wie gelähmt starrt auch ihr Gatte auf das Tierchen und seine "Hamburger Zeitung" gleitet ihm aus der Hand. Schnell befreit Viola die Dame von dem Untier und stellt dann ihren Korb, dessen Inhalt sie mit einem Küchentuch gedeckt hatte, auf die Gepäckablage. Jetzt entdeckt Viola weitere Käfer, die daran sind im Abteil Unruhe zu stiften. Einer krabbelt suchend auf dem hellgrünen Abonnement eines Mitreisenden, das er vermutlich für ein Blütenblatt hält. Ein anderer fliegt ständig gegen die Fensterscheibe, um dann rücklings auf dem Ablagebrett zu landen. Alle sechs Beinchen zappeln einige Zeit in der Luft, bis sich das Tier wieder in die richtige Lage bringt und einen neuen Anflug startet. Im schräg gegenüberliegendem Abteil sind Käfer ebenfalls das Gesprächsthema Nummer eins. Bei einem Bub hat der Anblick der Biester einen Juckreiz ausgelöst. Nervös kratzt er sich überall. Ein anderer Fahrgast fischt in seinem Coca-Becher, währen dem zwei weitere Plagegeister wettkampfmäßig an seinem Hosenbein empor kriechen. Abwechslungsweise schielt Viola vom Coca-Becher zum Hosenbein das als Kletterstange benutzt wird.

  
"Woher kommt diese Invasion der kleinen grünen Ungeheuer? Ist es etwa eine neue Dienstleistung der SBB?" So fragt spöttisch ein entrüsteter Passagier. Die Kondukteurin ist dieser Situation nicht gewachsen. Mit verlegener Miene erwidert sie:  "Was schauen si mi so bedeppert a" und verschwindet schnell im nächsten Abteil. Ekel? Oder scheut sie die Auseinandersetzung mit explosiven Reisenden?

Diese Szene erinnert an die <versteckte Kamera>. Heimlich amüsiert, vertieft sich Viola in ihr Buch. Auch hier krabbelt ein Käfer <Gregor>, das allerdings wissen die Mitfahrenden nicht; doch Verhalten und Ekelreaktionen sind in beiden Fällen gleich. Den Angriff eines einzelnen Ungetüms kann man noch bewältigen. Hier scheint ein ganzes Heer im Anmarsch zu sein. Abstoßend, empörend, schauderhaft, degoutant, grässlich usw. sind Attribute die im Abteil zu vernehmen sind. Die Stimmung gleicht immer mehr der Wetterlage draußen. In Chur brannte noch drückend die Sonne. Jetzt verdecken schwarze Wolken die Churfürsten. Der Walensee ist tief dunkelblau und weiße Schaumkronen werden vom Sturm über den See gejagt. Der Zug fegt durch diese bedrohlich aussehende Landschaft. Schwere dunkle Gewitterwolken - auch im Nichtraucherabteil zweiter Klasse!

Marco der Erstklässler, im schräg gegenüberliegendem Abteil, hat sich längst an die unangenehmen Zugsbegleiter gewöhnt. Für ihn ist es nun ein interessantes Spiel immer neue Käfer zu entdecken, er kichert vor Vergnügen und imitiert die Erwachsenen. Spitzbübisch schaut er unter seiner Sitzbank hervor: "Fünf Biester, ich habe das Nest!" Da, der Arm der Mutter, die ihn sogleich wieder auf seinen Platz zerrt. Sie hält ihn an der Hand fest, wie einen jungen Hund an seiner Leine. Geschüttelt von Lachanfällen versucht Marco erneut auf allen Vieren ab zu schleichen.

Die vornehme deutsche Touristin fällt in einen Dämmerzustand und bemerkt weitere Käferattacken nicht mehr. Doch ist es erstaunlich wie Reisende, die gerade noch reserviert in ihrer Zeitung lasen, schliefen oder zum Fenster hinaus träumten, plötzlich miteinander diskutieren, schimpfen und lamentieren. Die drohende Gefahr, das Ärgernis oder das gemeinsame Erlebnis verbindet.
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Ein junger Mann mit einer roten Hahnenkammfrisur und einem poppig bedruckten T-Shirt, entpuppt sich als ein "Grüner", ein Naturfreund. Will dieser Typ provozieren? Mit Darlegungen, die jedoch ein gewisses Interesse an Insekten verraten, beteiligt er sich an dem Palaver: "Käfer sind faszinierend und Schädlinge gibt es sowieso keine. Eine unberechtigte Abneigung gegen alles Andersartige, Fremde und gegen Minderheiten herrscht heute vor. Ich werde wegen meiner Frisur auch oft als exotisch verschrien." Diese Bemerkung löst ein allgemeines Gelächter aus. Aber selbstsicher redet er weiter. "Dieser Grünrüßler gehört zur Familie der Rüsselkäfer. Gemeinsames Kennzeichen dieser Gattung ist der in eine lange Schnauze ausgezogener Kopf. Die lateinische Bezeichnung ist Curculionidae." Diese Erklärungen  machen den Hahnenkammträger sympathischer als seine äußere Erscheinung, hier besteht offenbar eine krasse Diskrepanz zwischen <Sein und Schein>. Die Diskussion wird immer heftiger. Sie nimmt nun religiös - philosophische Formen an. "Insekten sind auch Lebewesen. Man dürfe sie nicht töten." Er ein Verfechter der Ahimsa Lehre habe große Achtung vor jedem Leben. Dies sei ein allgemein bekannter Aspekt des Hinduismus. Es gäbe gewisse Inder die ein Mundtuch tragen, um nicht aus versehen ein Insekt zu verschlucken, das dabei getötet würde.

Ein noch rüstiger Rentner, mit sonnengebräunter aber faltiger Haut, der auffallend dem Almöhi aus dem <Heidi> Film gleicht, äußert sich nun fast väterlich. Bis anhin war er nur Zuhörer, jetzt nickt er dem Hahnenkammträger mit einem komplizenhaften Augenzwinkern freundlich, ja verständnisvoll zu. "Ja, in meiner Bubenzeit gingen wir noch mit Maikäfern im Hosensack in die Schule. Wir treiben mit den großen, kastanienbraunen Käfern allerhand Unfug, Lausbubenstreiche. Alle Jahre war das so. Die Lehrer waren daran gewöhnt. Heute sind diese Käfer so selten, dass mein Enkel sie nicht einmal kennt." Und nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: "Ja, ja diese grünen Viecher hier sind doch viel kleiner als Maikäfer, da lohnt sich so ein Spektakel gewiss nicht. Sie stechen nicht, beißen nicht und zwicken auch niemanden, noch verbreiten sie einen unangenehmen Geruch." Der Hahnenkammträger grinst zurück, sichtbar froh einen Sinnesgenossen zu haben, dann gilt seine Aufmerksamkeit wieder seinem Walkman. Almöhi und Hahnenkammträger - hier besteht kein Generationsproblem!

 
Viola spürt plötzlich Almöhi's Blick auf sich gerichtet. Interessiere ich ihn als Frau oder kann er Gedanken lesen, so fragt sich Viola. Ihre Gedanken fangen an im Takt der Räder zu kreisen, krabbeln, kreisen, krabbeln. In ihrer Phantasie ist auch sie in einen Käfer verwandelt worden, natürlich in menschlicher Größe. Unbeholfen sitzt sie auf ihrem Platz, man kann ihre gepanzerte Unterseite sehen. Die dünnen, drahtigen Beine fuchteln ungeschickt um sie herum. Ihre großen schwarzen Facettenaugen betrachten die anderen Reisenden und zufolge der inneren Unruhe bewegen sich die borstenförmigen Fühler aufgeregt hin und her. Ängstlich bedrängt schaut sie sich im Abteil um, in ihrer Hoffnung das weitere Leidensgenossen auftauchen könnten. Unauffällig möchte sie in die Freiheit. Es herrscht ein Chaos in ihrem Kopf. Diese Gedanken lassen sie erschauern. Fort mit dem Spuk!

Zielstrebig gleitet der Zug am oberen Zürichseeufer entlang. Draußen tobt immer noch der heftige Gewittersturm und die Regenmassen klatschen mit Wucht an die Fensterscheiben. Der Fahrwind verstärkt die Wirkung. Bereits ist es dunkel. Blitze leuchten und zucken über dem See. Die vornehme Dame ist wieder erwacht und hüllt sich in ihr weißes Häkeljäckchen.
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Station Thalwil. Im Fenster spiegelt sich das Geschehen des gegenüberliegenden Abteils. Dort werden einige Viecher unsanft am Baden zertreten. Viola wird die ganze Angelegenheit immer unangenehmer, denn sie ist der Sündenbock. Sie selbst hat die große Aufregung verursacht. Krabbelten doch all diese Plagegeister aus ihrem Korb, den sie auf die Ablage gestellt hatte. Ja, mit den frisch gepflückten Lindenblüten waren sie zu dieser Horror Fahrt gekommen.

Als Viola am Morgen, beim Pflücken der herrlich duftenden Blüten die ersten dieser kleinen , hart gepanzerten Lebewesen begegnete, meinte ihre Freundin Bea: "Harmlose Käfer. Du musst dich nicht um sie kümmern. Sie kriechen beim Trocknen alle wieder aus dem Korb, um sich ihren Weg in die Freiheit zu suchen." So war es denn auch, ein wahres Käferfest!

Zürich Hauptbahnhof - endlich die Erlösung! Befreit und sichtlich erleichtert steigen die zufällig zusammen gewürfelten Fahrgäste aus. Sie verlassen die Enge des Zuges und laufen in alle Richtungen, vergleichbar mit den Käfern die aus der Enge des Korbes flohen. Ein paar kleine Grünrüßler waren für die einen eine lustige, für die anderen eine abstoßende Begegnung.
Sorgfältiger als üblich bürstete Viola an diesem Abend ihr Haar. Erst nach dem Duschen fühlte sie sich wieder richtig wohl. Vorher glaubte sie noch am ganzen Körper ein Kribbeln zu verspüren. Zuviel Käfer waren ihr heute begegnet - oder über den Weg gelaufen. Der Verfasser der Prosaerzählung <Die Verwandlung> wird von diesem Horror - Trip nie etwas erfahren.
 

Küchenfenster-TV
 

Du hast richtig gelesen, unser Küchenfenster ist unser Fernseher. Was man da alles während dem Mittagessen beobachten kann ist wirklich erstaunlich. Natursendungen sind immer auf dem Programm. Natürlich kann man auch den Gartenweg der Nachbaren und den Pöstler ins Visier nehmen. 
Doch die Natur so nahe zu haben, ist ein Geschenk. Der kleine Platz vor unserem Küchenfenster ist kein gepflegter Rasen, nein eine richtige Naturwiese, die nur zweimal jährlich abgemäht wird. So können die Pflanzen ihre Samen voll ausreifen lassen und das kleine Stück Erde wird zu einem Paradies für verschiedene Schmetterlinge, Vögel, Hummeln und Bienen. 

Früh im Jahr, im Februar zeigen sich die kleinen gelben Winterlinge und locken bei Sonnenschein schon einige Bienen an. Auch wenn noch mal die weiße Pracht, der Schnee alles zudeckt, schauen die gelben Kronblätter, wie kleine Sterne durchs Küchenfenster. Dann im März fängt das Gras an zu wachsen, auch die Schneeglöckchen, die Krokusse und Märzenbecher zeigen ihre Schönheit. Doch der Höhepunkt sind die wilden Osterglocken, auch Märzenglocken genannt. Diese haben eine ganz besondere Herkunft. Es sind Erbstücke aus dem Hasenbühlquartier in Zug. Ich habe ihnen einen neuen Namen gegeben: Kleine Uttingerli. 

Wer mal in Zug wohnte, der kannte Pirmin Uttinger. Er war ein stadtbekanntes Original.
Der folgende Text ist aus einer Webseite entnommen: https://www.itae-design.ch/?id=4 ( Aus der Zugerpresse von Andreas Bossard, Stadtrat) 

"Pirmin Uttinger liebte die Tiere, die Pflanzen und die herrliche Landschaft. Er bezeichnete sich als Bauer, der seiner Scholle treu blieb. Auch war er stolz auf seine Märzenglocken. Pirmin war sich bewusst, mit Jauche und Dünger würden diese Frühlingsboten nicht mehr wachsen. Für ihn waren deshalb die Blumen wichtiger als ein größerer Ertrag. Jährlich im Frühjahr beglückte er jene, die ihm wohl gesinnt waren mit einem Strauss seiner Blumen."
Die Deutschen waren nicht gerade Pirmins Freunde, und so gehörte ich nicht zu denen die auch Märzenglocken bekamen. Kurz bevor dann die Wiesen von Pirmin Uttinger überbaut wurden, konnte ich noch einige Blumenzwiebeln retten. Ich war nicht die einzige die hier Naturschutz praktizierte. So konnte ich die Pflanzen im eigenen Garten vermehren und auch viele Samen weiter verschenken. 

Kürzlich beobachteten wir einen Stieglitz. Mit seinem wunderschönen farbigen Federkleid landete er direkt auf einigen Blütenstielen von einer Hahnenfuss Pflanze um von dort aus die schon reifen Samen des Löwenzahns zu picken. Es ist erstaunlich, wie er mehrere dünne Stängel umklammerte, um so seinen kleinen Körper in die richtige Stellung zu bringen. Die Löwenzahn-Schirmchen verschwanden in kurzer Zeit und dann auch der Stieglitz. Er war satt und konnte wieder am Nest, in der nahen Hecke weiter bauen. Leider fand ich Tage später einige Jungvögel tot in den Gartenbeeten. Die Kälte und der viele Regen verunmöglichten die Brutpflege.
Auch andere Besucher zeigen sich regelmäßig vor unserem Küchenfenster. Da gibt es ein Rotkehlchenpaar und einige Amseln, die ständig nach Regenwürmern ausschauhalten. Aber auch die vielen Spatzen sind oft beim Komposteimer zu Gast. Sie haben ihre Schlafplätze direkt unter dem Hausdach um sich als Wecker nützlich zu machen. Auch  ein Gartenrotschwanz - Pärchen gehört zu den Gästen die uns erfreuen.

Und wenn keine Vögel zu Besuch kommen, kann es auch mal eine Spitzmaus sein, die in aller Eile unter der Regentonne verschwindet. Im Winter erkennt man dann die Spuren der kleinen Nager im Neuschnee. 

Und im Sommer blühen neben dem Weinstock, der hier am Pfosten hochgezogen ist, schon seit einigen Jahren dunkelrote Löwenmaulblumen. Sie lieben die kleinen Spalten zwischen den Gartenplatten und der Wiese, dort gedeihen sie prächtig. Wenn dann die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hat, kann ich den Hummeln zuschauen, wie sie geschickt in den Blüten verschwinden um sich am Nektar zu bedienen. Im Herbst dann erfreuen uns noch lange einige Tagetes die ich auf den wenigen Quadrat Zentimetern Erde ausgesät hatte. 
Selbst bei Gewitterregen oder starkem Hagel kann man zuschauen und dankbar sein, wenn nicht alles kurz und klein geschlagen wird, was zum Glück nicht oft der Fall ist.
So ist fast bei jedem Mittagessen ein anderes Naturschauspiel im Küchenfenster TV Programm. Sehr dankbar bin ich Gott dafür, dass ich hier am Küchentisch nicht alleine sitze.         Mai 2021

 

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 Ein Igel im Garten 2023   

Schon oft habe ich auf einer Autostrasse dieses Warnplakat gesehen. Ja, es ist traurig, wie viele Igel jedes Jahr überfahren werden. Umso grösser war unsere Freude, nach 39 Gartenjahren eine Igelfamilie im eigenen Garten in zu erleben.

Angefangen hatte es damit, als ich merkte, dass mir Holzwolle, die ich unter meine Erdbeerpflanzen verteilt hatte, gestohlen wurde. Wo sich der Untermieter sein Nest gebaut hatte, wussten wir zu in diesem Moment noch nicht. Dann nach einiger Zeit hatte unser Igel Nachwuchs bekommen. Unter einem Farnstock hatte er mit der geklauten Holzwolle von den Erdbeeren sein Nest gebaut. Das Nest wollten wir nicht stören, daher haben wir kein Foto. Inzwischen wissen wir, dass 6 junge Igeli das Nest und die Mutter teilen müssen. Wir haben wieder einen Untersetzer mit Wasser hingestellt und beobachtet wie die Alte daraus getrunken hatte. Ist auch nötig wenn sie soviel Milch produzieren muss.

 

 

Nachdem die Jungmannschaft sich voll getrunken hat, geht die alte Igeldame auf die nächtliche Jagt. Zuerst den langen Gartenweg entlang und schnell an der Fotografin vorbei. Dann unter unserem Gartentürli hindurch und auf die Nordseite des Hauses. Die Nachbarschaft wird auch besucht. Der frechste beginnt die Umgebung zu erkunden.

Junger Igel heute Abend im Garten, um 21 Uhr 30, bei der Jagd auf Insekten. Meine Schuhe interessieren ihn nicht gross ... nur die kleinen Käfer sind gut zum Abendessen. Gute Nacht!

 

Igel und Fuchs Gedicht, Wilhelm Busch (1832-1908)

Ganz unverhofft an einem Hügel
sind sich begegnet Fuchs und Igel.
Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht!
Kennst du des Königs Order nicht?

Ist nicht der Friede längst verkündigt,
Und weißt du nicht, dass jeder sündigt,
der immer noch gerüstet geht?
Im Namen seiner Majestät
geh her und übergib dein Fell.

Der Igel sprach: Nur nicht so schnell.
Lass dir erst deine Zähne brechen,
dann wollen wir uns weiter sprechen!

Und all sogleich macht er sich rund,
schließt seinen dichten Stachelbund
Und trotzt getrost der ganzen Welt
bewaffnet, doch als Friedensheld.